Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz der Meere

Wenn die Kosten steigen, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, Wissen und Ressourcen zu bündeln und auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten. Dies gilt besonders für den Marinebereich, da die Seestreitkräfte weiterhin die sehr komplexen integrierten Luft- und Raketenabwehr-Fregatten (IAMD) der Zukunft entwickeln, was Anstrengungen und Ressourcen erfordert, die sie möglicherweise nicht selbst aufbringen können.

Schon seit Jahrzehnten unterhalten Deutschland und die Niederlande enge Beziehungen zu einander. Die Zusammenarbeit begann in den 1980er-Jahren mit der Entwicklung von Überwachungs- und Brandschutzsensoren, die sowohl auf den deutschen F-122- als auch den niederländischen S-Fregatten eingesetzt wurden. Diese Zusammenarbeit führte zur gemeinsamen Entwicklung hochmoderner AAW-Systeme (Above Water Warfare), die auch auf anderen Schiffsklassen und den F-124- und LCF-Fregatten zum Einsatz kommen.

Im Rahmen einer Initiative, die es Deutschland ermöglichen soll, von der Gemeinsamkeit und den hochmodernen Feuerleitsystemen auf künftigen Fregatten zu profitieren, entwickeln die Niederlande derzeit ein neues, verbessertes AWW-System, welches die Kriegsführung in der Luft und am Boden in einer integrierten Lösung zusammenfasst. Dieses System besitzt das Potential, in die laufende Kooperation zwischen den Streitkräften der beiden Länder, die in der von beiden Verteidigungsministern unterzeichneten Absichtserklärung erläutert wird, aufgenommen zu werden.

Diese Zusammenarbeit erstreckt sich auf viele unterschiedliche Bereiche. Seit 2016 wird die Leistungsfähigkeit des deutschen Seebataillons in die Königliche Marine der Niederlande integriert – durch die Nutzung des gemeinsamen Begleitschiffs Karel Doorman – und die Niederlande unterstützen die deutsche Marine bei der Entwicklung eines Konzepts zum Ausbau der amphibischen Kapazitäten.

Es gibt bereits Systeme, die von beiden Ländern eingesetzt werden – wie beispielsweise auf den deutschen F-123- und F124- und den niederländischen M-Fregatten sowie den LCF-Fregatten – bei denen eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Instandhaltung und Logistik eine Grundvoraussetzung ist. Nicht nur durch die gemeinsame Beschaffung und Zulassung, sondern auch durch das Bestreben, die Vorschriften und Normen zur Unterstützung der von Schiffsbauern durchgeführten Instandhaltung in beiden Ländern zu vereinheitlichen.

Im Rahmen der Zusammenarbeit ist auch ein Austausch zwischen den beiden Nationen erfolgt: Informationen und gegenseitige Unterstützung bei der Entwicklung von IAMD-Fregatten; Erfahrung auf dem Gebiet der Instandhaltung von Schiffen, Waffensystemen und Komponenten. Die Zusammenarbeit erstreckt sich darüber hinaus auf weitere militärische Bereiche: von der Kooperation bei der bodengestützten Luft- und Raketenabwehr und der Bekämpfung unbemannter Luftsysteme bis hin zu den Vereinbarungen über den Aufbau des gemeinsamen militärischen Internets „Tactical Edge Networking“.

Die Entwicklung, Zulassung und Erprobung des neuen AWW-Systems wurden bereits in den Niederlanden vorgenommen. Die Zusammenarbeit im Rahmen des Systems würde es Deutschland nicht nur ermöglichen, schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt Einblick in die Ergebnisse zu erhalten – und auf diese Weise die mit der Entwicklung eines derart ausgeklügelten Systems verbundenen Risiken verringern zu können – sondern auch die Lebenszykluskosten einschließlich Upgrades, Instandhaltung, Ersatzteile und Training zu teilen.

Die Vorteile der gemeinsamen Nutzung dieses hochmodernen Feuerleitsystems liegen auf der Hand: Die deutsche Marine erhält ein einsatzbereites AWW-System, das nicht nur den gegenwärtigen Anforderungen entspricht, sondern auch zukunftssicher ist und in den nächsten Jahren auf sich entwickelnde komplexe Bedrohungslagen reagieren kann. Dies würde beiden Nationen nutzen und dazu beitragen, den Grundstein für die künftige Zusammenarbeit bei der Entwicklung dieser – und anderer – AWW-Systeme zu legen.